Studie zeigt: Kostenlose HIV-Selbsttests erreichen Menschen, die kaum getestet wurden
Jede neunte Person, die im Rahmen eines Pilotprojekts der Aids-Hilfe Schweiz einen kostenlosen HIV-Selbsttest bestellte, hatte sich zuvor noch nie auf HIV testen lassen. Eine begleitende Studie zeigt, dass anonyme und kostenlos verfügbare Selbsttests Zugangshürden abbauen. Sie sind damit ein wichtiges Puzzlestück zur Erreichung des ambitionierten Zieles des Bundesrates, bis 2030 keine HIV-Neuinfektionen mehr zu haben.
HIV-Selbsttests erreichen neue Zielgruppen
Kostenlose HIV-Selbsttests können Menschen erreichen, die bestehende Testangebote bislang wenig oder gar nicht nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Aids-Hilfe Schweiz1, die an der 26. Internationalen Aids-Konferenz in Rio de Janeiro präsentiert wird.
Die Auswertung basiert auf 1'344 Bestellungen von HIV-Selbsttests, die zwischen November 2024 und November 2025 in der ganzen Schweiz anonym getätigt wurden. Das Pilotangebot richtete sich an Männer, die Sex mit Männern haben und bisher selten oder nie getestet wurden. Die Selbsttests konnten kostenlos und anonym bestellt werden. Jeder Sendung lag zudem ein Informationsblatt mit Kontaktdaten der nächstgelegenen Beratungsstelle bei.
11,2 Prozent der Personen, die einen HIV-Selbsttest bestellten, hatten sich zuvor noch nie auf HIV testen lassen. Unter den Ersttester:innen befanden sich besonders häufig Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sich aber nicht als schwul identifizieren.
«Die Ergebnisse zeigen, dass HIV-Selbsttests Menschen erreichen können, die von bestehenden Angeboten bisher weniger gut angesprochen werden können», sagt Marc Eggenberger, Projektleitung seitens Aids-Hilfe Schweiz.
Anonymität und einfache Zugänglichkeit senken Hürden
Die Studie zeigt, dass verschiedene Faktoren Menschen davon abhalten können, einen HIV-Test zu machen. Neben der kostenlosen Verfügbarkeit waren Komfort, Diskretion und Privatsphäre wichtige Gründe für die Bestellung eines Selbsttests. Einige Teilnehmende nannten zudem die Angst vor Vorurteilen.
Rund 60 Prozent der Bestellungen stammten aus ländlichen Regionen der Schweiz. Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass HIV-Selbsttests geografische Hürden beim Zugang zu Testangeboten überwinden können.
Selbsttests stärken den Weg in die Beratung
In der Studie lässt sich erkennen, dass HIV-Selbsttests nicht einfach für sich allein genutzt werden. 12,6 Prozent der Befragten nahmen nach der Nutzung des Selbsttests Kontakt mit einer Beratungsstelle auf.
Die spezialisierten Beratungsangebote bleiben dabei zentral. Fast die Hälfte der Befragten gab an, für eine persönliche Beratung bevorzugt einen Checkpoint2 aufzusuchen. Damit bestätigen die Resultate die wichtige Rolle von Community-orientierten Angeboten.
Marc Eggenberger betont: «HIV-Selbsttests sind kein Ersatz für spezialisierte Test- und Beratungsangebote, aber eine wichtige Ergänzung, um unterversorgte Gruppen für HIV-Prävention zu motivieren.»
1Aids-Hilfe Schweiz. (2026). HIV self-testing as a strategy to improve testing access among MSM and TSM in rural Switzerland. https://aids.ams3.cdn.digitaloceanspaces.com/data/PDF/Poster_AIDS2026.pdf
2Ein Checkpoint ist ein Gesundheitszentrum von und für die LGBTQ-Community, unterstützt von der Aids-Hilfe Schweiz. Checkpoints bieten präventive, psychosoziale und medizinische Dienstleistungen mit Fokus auf sexuelle Gesundheit. https://mycheckpoint.ch/