Integriert, und dennoch spezifisch: Aufruf an eine inklusive HIV-Prävention
Die Vortragsreihe «The future is fluid: Implications for the HIV response of the increasing diversity in sexuality and gender» beschäftigte sich mit der Frage, welche Auswirkungen eine zunehmende Vielfalt und Fluidität von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten auf Forschung, Prävention und Versorgung im HIV-Bereich hat. Diskutiert wurde insbesondere, wie Daten und Präventionsprogramme angepasst werden können, um gesellschaftliche Realitäten besser abzubilden.
26. internationale Aids-Konferenz 2026 in Rio de Janeiro
Beitrag von Marc Eggenberger
Dr. Ines Aristegui (Fundación Huésped, Argentinien) plädierte neben einer «people-centered care» auch für «people-centered research». Forschungsdegings und Fragebögen sollten so gestaltet werden, dass sie die Vielfalt von Lebensrealitäten erfassen können und für die angesprochenen Personen verständlich und relevant bleiben.
Genau hier sollten wir fragen: Wie können HIV-Angebote inklusiver werden, ohne den Fokus auf Key Populations zu verlieren, die weiterhin besonders von HIV betroffen sind?
Mein wichtigstes Learning aus den Vorträgen war, dass Inklusivität und Zielgruppenspezifität keine Gegensätze sind. Im Gegenteil. Je vielfältiger Identitäten werden, desto wichtiger wird es, klar zu definieren, welche Personen und Communitys mit einem Angebot erreicht werden sollen. Wen meinen wir mit MSM? Wen mit schwulen, bisexuellen oder queeren Männern? Werden trans Männer und nicht-binäre Personen mitgedacht? Und welche Menschen bleiben durch bestehende Strukturen ausgeschlossen?
Gleichzeitig erinnerte das Session daran, dass HIV und sexuelle Gesundheit nicht immer und nicht für alle das dringendste Anliegen sind. Wirksame Angebote müssen deshalb unterschiedliche Gesundheits- und Lebensrealitäten berücksichtigen. Die Herausforderung besteht darin, integrierte Angebote zu schaffen, die Menschen dort abholen, wo sie stehen, ohne die spezifischen Bedürfnisse einzelner Communitys aus dem Blick zu verlieren. Beziehungspflege, Vertrauen und die aktive Einbindung von Communitymitglieder bleiben dafür zentrale Voraussetzungen.