Von Marlon Gattiker
Forschungsergebnisse und Erkenntnisse
Katie Darling (Universitätsspital Lausanne) präsentierte Daten aus der Schweizer HIV-Kohortenstudie, die zeigen, dass Frauen, People of Colour und Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) besonders stark von Stigmatisierung betroffen sind. Sie betonte die oft unsichtbare und stille Natur von Stigma – etwa in Form von internalisierter oder antizipierter Diskriminierung – sowie strukturelle Beispiele wie übertriebene Vorsichtsmassnahmen oder das Markieren von Patient:innenakten mit HIV-Stickern.
Die ECDC-EACS-Umfrage unter 18.000 medizinischen Fachkräften in 54 Ländern offenbarte grosse Wissenslücken zu U=U, PEP und PrEP. Geringes Wissen korrelierte mit diskriminierendem Verhalten, etwa der Vermeidung von Körperkontakt oder dem Tragen doppelter Handschuhe aus unbegründeter Angst vor Ansteckung.
Strategien gegen Stigma
Die Panelist:innen forderten mehrstufige Massnahmen:
- Integration von HIV in medizinische Ausbildung
- Stärkung der Patient:innen zur aktiven Bekämpfung von Stigma
- Einführung und Umsetzung von Anti-Stigma-Richtlinien
Ricardo Fernandes (GAT) betonte die Bedeutung von Community-Beteiligung und Repräsentation. Florence Thune (Sidaction) sprach sich für nationale Kampagnen zur Förderung von U=U aus. Joseph Larmarange (IRD) hob die Notwendigkeit hervor, intersektionale Stigmatisierung zu adressieren und Massnahmen auf spezifische Kontexte zuzuschneiden.
Initiativen und Ausblick
Die Redner:innen haben folgende mehrstufige Massnahmen vorgeschlagen:
- Integration von HIV-Themen in die medizinische Ausbildung
- Stärkung der Autonomie von Patient:innen zur aktiven Bekämpfung von Stigmatisierung
- Einführung und Umsetzung von Anti-Stigma-Politiken
Zwei Schlüsselprojekte wurden von Katie Darling (HUG) in Zusammenarbeit mit dem ECDC entwickelt – unterstützt von Gilead und mit dem Rückhalt der EACS:
- Globale Erweiterung der ECDC-EACS-Studie
Koordiniert von den HUG, zielt dieses Projekt darauf ab, die bereits bestehende Umfrage international auszuweiten, um die Stigmatisierung im Gesundheitswesen besser zu verstehen. - Neues europäisches Interventionsprojekt
Für die WHO-Region Europa (über die EU hinaus) wird ein Projekt entwickelt, um konkrete Interventionen gegen Stigmatisierung zu schaffen – mit starker Einbeziehung der betroffenen Communities.
Fazit
Die Session endete mit einem Appell für europaweite Kampagnen zur Veränderung gesellschaftlicher Wahrnehmungen von HIV. Die Expert:innen zeigten sich zuversichtlich, dass durch gemeinschaftliches Engagement und strukturelle Reformen ein nachhaltiger Wandel möglich ist – hin zu einer diskriminierungsfreien Versorgung für Menschen mit HIV.