Affenpocken: Schnell und unbürokratisch impfen. Jetzt sind die Kantone gefragt!

Mit über 416 bestätigten Affenpocken-Fällen, hat die Schweiz im europäischen Vergleich eine der höchsten Inzidenzraten. Die nun kommunizierte Beschaffung der Pockenimpfung begrüsst die Aids-Hilfe Schweiz. Sie betont, dass schnell unkompliziert geimpft werden muss.

Die Aids-Hilfe Schweiz ist froh über den Entscheid des Bundesrates vom 24. August 2022: «Bereits früh konnte die Aids-Hilfe Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit gezielter Prävention bei betroffenen Männern starten. Doch die bestätigen Fälle steigen in der Schweiz kontinuierlich weiter. Um die Zahl der Infektionen so schnell wie möglich zu senken und schwere Verläufe zu verhindern, müssen möglichst viele Menschen, die ein Infektionsrisiko haben, geimpft werden. Wir begrüssen deshalb den Entscheid des Bundesrats. Er ist ein wichtiger Schritt, um die Epidemie in den Griff zu bekommen», so Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Der Bundesrat hat den Kauf von insgesamt 100'000 Impfdosen beschlossen – 40'000 durch das BAG und 60'000 durch die Armee. Sollten die 40'000 Impfdosen des BAG nicht ausreichen, muss die Armee sofort weitere Impfdosen bereitstellen. Florian Vock, Leiter Key Populations der Aids-Hilfe Schweiz: «In der Schweiz leben mindestens 85'000 Männer, die Sex mit Männer haben (MSM) im Alter von 15 bis 65. Für einen ausreichenden Impfschutz in der Community gehen wir davon aus, dass 50'000 Exponierte (100'000 Impfdosen) geimpft werden müssen. Wir rechnen also damit, dass zusätzlich zu den Impfdosen des BAG auch diejenigen der Armee benötigt werden.»

Vor diesem Hintergrund ist es nun von zentraler Bedeutung, dass rasch und unbürokratisch geimpft wird. Florian Vock betont: «Jetzt sind die Kantone gefordert, die Impfungen schnell zu verabreichen, sobald sie eintreffen. Der Ansturm auf die Impfung wird gross sein. Deshalb müssen Kriterien und Prozesse schweizweit einheitlich definiert werden, sonst kommt es zu Unverständnis und Frustration». Dies würde der Impfbereitschaft massiv schaden. «Gerade weil nicht davon auszugehen ist, dass alle Impfdosen gleichzeitig verfügbar sind, muss die Verteilung schweizweit einheitlich geregelt und transparent kommuniziert werden».

Das Ziel muss sein, dass alle Männer sowie trans Personen mit wechselnden, nicht-festen (männlichen) Sexualpartnern Zugang zur Impfung haben – unabhängig von anderen Kriterien. «Es darf nicht zu peinlichen Befragungen oder unverhältnismässigen Ausschlusskriterien kommen. Es wäre ineffizient und stigmatisierend, die Leute nach Anzahl Sexualpartner oder HIV-Status zu fragen und würde nicht zuletzt die Privatsphäre verletzen» so Florian Vock. Die Betroffenen werden die Impfentscheidung mit guter Information selbst treffen können. «Wir empfehlen den Kantonen dringend, mit den spezialisierten Fachstellen für sexuelle Gesundheit wie Checkpoints zusammenzuarbeiten, um die betroffenen Männer zu erreichen».

Kontakt
Jan Müller, Leiter Kommunikation Aids-Hilfe Schweiz
Tel. (direkt): +41 44 447 11 50 | Mail: Aktivieren Sie JavaScript um diesen geschützten Inhalt zu sehen. | aids.ch

Quellen
BAG «Affenpocken - Aktuelle Lage und Einschätzung»: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/affenpocken.html#-1363912689
Schmidt AJ., Altpeter E. «Sex Transm Infect»: https://sti.bmj.com/content/95/4/285