Diskriminierung schränkt gesundheitliche Chancengleichheit ein

Wer sich mit einer permanenten, unterschwelligen Ablehnung konfrontiert sieht, ist anfälliger für diverse Krankheiten. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ruft Aids-Hilfe-Schweiz auf, sich gemeinsam gegen jegliche Form von Diskriminierung einzusetzen.

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Er erinnert an den Tag, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen hat. Das war 1990. Seitdem hat sich vieles zum Positiven verändert.

Seine Relevanz als Aktionstag zur Sensibilisierung gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie hat der 17. Mai leider noch nicht verloren. Immer noch liest man in den Medien regelmässig über gewalttätige Übergriffe auf Homosexuelle. Solche Einzelberichte blenden jedoch einen wichtigen Aspekt aus: Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuelle sehen sich einer permanenten, unterschwelligen Ablehnung und Abwertung ausgesetzt.

Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit für diverse Krankheiten. «Die Ursachen hierfür liegen nicht in der Biologie. Als Auslöser muss die gesellschaftliche Reaktion auf die von der Mehrheit abweichende sexuelle Orientierung diskutiert werden», fasst Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, wissenschaftliche Erkenntnisse [1] zusammen.

Abwertung wirkt sich auf Gesundheit aus

Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuelle verinnerlichen negative gesellschaftliche Einstellungen in Form von Scham, negativen Selbstbildern und Selbstzweifeln. «Wie internationale Studien [2] zeigen, hindert diese internalisierte Homophobie zum Beispiel viele Schwule daran, sich gut um ihre Gesundheit zu kümmern. Sie gehen weniger zum Arzt und lassen sich seltener auf sexuell übertragbare Krankheiten testen als Schwule, deren Umfeld einen offenen Umgang mit Homosexualität zeigt», so Lehner.

Ausser im privaten Umfeld besteht in der Schweiz auch in Bezug auf institutionelle Diskriminierung Handlungsbedarf. Geht es um zum Beispiel um die rechtliche Gleichstellung oder Schutz vor Diskriminierung rangiert die Schweiz im Ländervergleich von ILGA-Europe[3] ­knapp vor dem Kosovo und hinter Bosnien-Herzegowina­ auf Platz 23. So trägt die institutionelle Diskriminierung dazu bei, dass LGBTI-Menschen schlechtere Chancen haben, gesund zu bleiben.

Um gesundheitliche Chancengleichheit zu gewährleisten, stellt die Aids-Hilfe Schweiz gezielte Beratungs-, Informations- und Testangebote bereit. Und fordert alle Schweizerinnen und Schweizer auf, sich im Alltag, sei es bei der Arbeit oder in der Freizeit, energisch gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie einzusetzen.


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[2] Journal of Health Monitoring: Die gesundheitliche Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen, Robert Koch-Institut, Berlin, März 2020

[3] ILGA-Europe: Der europäische Arm der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association, Ranking: www.rainbow-europe.org/country-ranking